18.02.2020

Der Hölderlinturm ist eröffnet, das Jubiläumsjahr hat begonnen!

Gemeinsam mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, dem Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg Winfried Kretschmann, zugleich Schirmherr des Hölderlinjahres, und Kulturstaatsministerin Monika Grütters wurde am Samstag in Tübingen die Wiedereröffnung des Hölderlinturms mit einem großen Festakt gefeiert und damit zugleich das Hölderlin-Jubiläumsjahr 2020 eröffnet. Für die 150 Gäste in der Alten Aula der Universität, und die 200, die den Festakt via Livestream im Rathaus der Neckarstadt oder zuhause mitverfolgt haben, begann die Veranstaltung allerdings unpünktlich: Der Turm, durch den Boris Palmer, Winfried Kretschmann und Monika Grütters vorab durch Ausstellungskurator Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach und die Museumsleiterin Sandra Potsch geführt wurden, hielt die Ehrengäste so im Bann, dass sie erst mit einiger Verspätung in der Alten Aula eintrafen. »Großartig« fand Kretschmann die Ausstellung, und aus Sicht Grütters mache sie »neugierig«.

Das Klavierduo Hagemann-Hayashizaki gab dem Festakt mit ihrer Interpretation des Schicksalsliedes von Brahms, einer der bekanntesten Hölderlinvertonungen, den angemessenen Rahmen (Teil ITeil II). Oberbürgermeister Palmer rief den Gästen die schwäbische Geistesmutter und Tübingerin Regina Bardili in Erinnerung, unter deren weit verästelten Stammbaum sich nicht nur Uhland, Hegel, Hauff und Schelling versammeln, sondern auch Hölderlin. Ministerpräsident Kretschmann verwies auf die Wirkmächtigkeit Hölderlins, aber auch auf die gegensätzlichen Weltanschauungen derer, die sich seine Verse zu eigen gemacht haben: »Hölderlin hat Menschen fasziniert, die unterschiedlicher nicht sein können«. Für Kretschmann können Hölderlins Verse auch heute noch Hoffnung stiften. So kam ihm auf die Frage, ob er ernsthaft denkt, dass man den Klimawandel noch stoppen kann, Hölderlin in den Sinn: »Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch«. Staatsministerin Grütters wiederum erinnerte an die politische Vereinnahmung Hölderlins, an das »weltanschauliche Gegrapsche« (Karl-Heinz Ott). Sie machte aber auch deutlich, dass Hölderlin – in mehr als 80 Sprachen übersetzt – sich jeglicher Deutschtümelei entziehe: »Er war dichtend ein Kosmopolit«. Johann Kreuzer, Präsident der Hölderlin-Gesellschaft, betonte die enge Verbundenheit der Hölderlin-Gesellschaft mit dem Tübinger Turm: er sei Teil ihrer DNA. Joachim Schielke, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Stiftung, die die Sanierung des Hölderlinturms großzügig unterstützt hat, verwies außerdem auf die Neugestaltung des Gartens, der auch inhaltlich an die neue Dauerausstellung angeschlossen wurde: Er sei das Geschenk der Wüstenrot Stiftung. Als letzter trat Thomas Schmidt, der Kurator der neuen Dauerausstellung, ans Rednerpult, um die Grundlinien der Konzeption zu skizzieren. Für ihn und sein Team waren zwei Fragen entscheidend: Was macht Sprache zu Kunst? Und: Was macht den Turm zu einem authentischen Ort, obgleich er 30 Jahre nach Hölderlins Tod fast vollkommen abgebrannt ist?

Hölderlin war auch selbst gegenwärtig: Christian Reiner verlieh ihm seine suggestive Stimme und rezitierte ›Der Gang aufs Land‹ und ›Aussicht‹.

 

 

Auswahl aus dem großen Presse-Echo:

»Poetischer Sehnsuchtsort« – Christian Gampert (Deutschlandfunk, 15.2.2020)

»So dacht' er« – Alex Rühle (Süddeutsche Zeitung, 16.2.2020)

»Verse vibrieren im ganzen Körper« – Thomas Faltin (Stuttgarter Zeitung, 16.2.2020)

Kulturzeit (3sat, 17.2.2020)

 

© Gudrun de Maddalena

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© Anne Faden

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