21.04.2020

Theater Lindenhof lädt zum Dialog mit Hölderlin am runden Tisch

Am 15. Februar feierte am Melchinger Theater Lindenhof das neue Hölderlinstück ›Darum wandle wehrlos fort durch Leben, und fürchte nichts!‹ nach einer Textvorlage von Markus Bauer und Philipp Becker erfolgreich Premiere. Das dem Dichter Hölderlin seit der Gründung zutiefst verbundene Theater möchte darin nicht das Leben Hölderlins reproduzieren oder an alte Hölderlinproduktionen anknüpfen, sondern vielmehr aufzeigen, welche Antworten Hölderlins Texte auf die Fragen und Probleme von heute geben können. Dazu lädt das Theater das Publikum an eine große ovale Tafel, die aus vielen alten Tischen zusammengebaut wurde und auch als multifunktionale Spielfläche dient. Unter die Tischgesellschaft mischen sich die Schauspieler Bernhard Hurm, Martin Olbertz, Franz Xaver Ott und Linda Schlepps. Dem Regisseur Philipp Becker geht es um die direkte Wirkung, die Theater entfalten kann, wenn es so unmittelbar stattfindet und vor allem um den unmittelbaren Einfluss der Hölderlintexte. Bereits mit 16 Jahren spielte Becker einen Sommer lang in der Hölderlin-Inszenierung des Theater Lindenhof von Siegfried Bühr in Tübingen mit. »Wenn man über so eine lange Zeit, jeweils 4,5 Stunden am Stück mit Hölderlin konfrontiert wird, dann durchdringt einen diese Sprache«, so Becker.

Am runden Tisch lässt Becker die Figuren, die nicht in einer konkreten Zeit verortet sind, aktuellen Fragestellungen auf den Grund gehen. Es geht neben Demokratie auch um ganz persönliche Themen, wie den eigenen Platz in der Welt. Die Schauspieler selbst waren an der Textentwicklung beteiligt und bringen Biografisches in ihr Spiel mit ein. Die Auseinandersetzung mit Hölderlin erfolgt im Stück sehr spielerisch, humorvoll, aber auch zweifelnd. Dem Regisseur war es dabei wichtig »Hölderlin zum Klingen zu bringen« und damit einen klanglichen Zugang zur Lyrik zu ermöglichen. Unterstützt wird das Klingen der Texte durch die Musik von Susanne Hinkelbein: Ein Akkordeon (gespielt von Viktor Oswald und Sergej Riasanow) harmoniert in wunderbarere Weise mit einem Monochord – einer mit Klaviersaiten bespannte 1,80 Meter langen Holzbox, die aus der griechischen Antike stammt. Auf ihr lässt sich ein fremdartiger, höchst moderner Klang erzeugen, der sowohl kraftvoll, als auch poetisch sein kann.

SWR: Besprechung von Pia Fruth zum Nachhören

Das Stück ist im Theater Lindenhof voraussichtlich wieder im Mai zu sehen (> Infos und Karten) und zu den Privattheatertagen nach Hamburg eingeladen.
Die Gastspiele in Nürtingen werden ins nächste Jahr verlegt. 

 

 

© Richard Becker

© Richard Becker

© Richard Becker

© Richard Becker

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