25.05.2020

Eröffnung der Raumintervention ›o.T. / Ariadnefaden‹ in der Bad Homburger Schlosskirche

In der Kirche des Bad Homburger Schlosses ist seit letzter Woche die künstlerische Raumintervention ›o.T. / Ariadnefaden‹ von Corinna Krebber zu sehen. Sie wurde am 20. Mai gemeinsam von der Künstlerin, der stellvertretenden Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Dr. Julia Cloot, der Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens, Kirsten Worms, und dem Homburger Oberbürgermeister Alexander Hetjes eröffnet. Dazu ließ die Flötistin Betty Nieswandt die Musik in einen Trialog mit der Installation und dem Kirchenraum treten.

© Stadt Bad Homburg / Vero Bielinski

Hoch oben im Kirchenschiff schwebt Hölderlins Hymne ›Mnemosyne‹ über den sicherheitshalber weit verstreut auf den Bänken sitzenden Besucherinnen und Besuchern. Dem Text, der gewohnheitsmäßig im Zweidimensionalen daherkommt, fügt Krebber die dritte Dimension hinzu, macht ihn räumlich und damit: unlesbar. Was ist ein Text dann eigentlich noch? Es ist ein ebensolches Spiel mit der Frage nach dem Eigentlichen, wie es sich hinter Hölderlins Versen vermuten lässt: »Ein Zeichen sind wir, deutungslos«, so beginnt die zweite Fassung von ›Mnemosyne‹.

Wird es der Installation ansichtig, gerät das betrachtende Auge ins Schwanken. Seine Gewohnheit, den Sinn Wort für Wort zu erschließen, tritt in einen Widerstreit mit dem, was es tatsächlich sieht: Unter dem Gewölbe der Schlosskirche entspannt sich ein gleichzeitiges Hier und Dort, ein Drunter und Drüber, ein Davor und Dahinter des Textes. Wenn sie nicht länger entzifferbare Bedeutungen tragen – sind Wörter dann Gegenstände?

»Hölderlins Worte schaffen es tatsächlich«, so die Künstlerin – selbst wohl etwas überrascht –, »die festgefügte und ein wenig selbstgenügsam wirkende Ordnung des barocken Kircheninterieurs durcheinanderzubringen. Die Installation und damit Hölderlins Text öffnet den Kirchenraum zu den angrenzenden Räumen hin und nach draußen in die Weite des Schlosses und seiner Umgebung!« Die Raumintervention bringt vermeintliche Gewissheiten ins Wanken und konfrontiert mit dem Ungewissen – hinter so scheinbar geläufigen Begriffen wie ›Zeichen‹, ›Bedeutungen‹ und ›Text‹ tun sich schwindelerregende Unsicherheiten auf. Und schlicht schön sieht dieses zarte Gebilde dabei auch noch aus.

Bis Ende Juni kann man der Installation in der Homburger Schlosskirche noch begegnen, immer Do – So, 14 – 18 Uhr.

Auch die Ausstellung »Wohl geh’ ich täglich andere Pfade«. Friedrich Hölderlin und seine Orte ist nun wieder geöffnet.

Die Künstlerin Corinna Krebber bei Instagram

V.l.n.r.: Oberbürgermeister Alexander Hetjes, Dr. Julia Cloot (Kulturfonds Frankfurt RheinMain), die Künstlerin Corinna Krebber sowie Kirsten Worms (Staatliche Schlösser und Gärten Hessen) © Stadt Bad Homburg / Vero Bielinski

V.l.n.r.: Oberbürgermeister Alexander Hetjes, Dr. Julia Cloot (Kulturfonds Frankfurt RheinMain), die Künstlerin Corinna Krebber sowie Kirsten Worms (Staatliche Schlösser und Gärten Hessen) © Stadt Bad Homburg / Vero Bielinski

Corinna Krebber auf der Empore der Homburger Schlosskirche © Stadt Bad Homburg / Vero Bielinski

Corinna Krebber auf der Empore der Homburger Schlosskirche © Stadt Bad Homburg / Vero Bielinski