21.07.2020

Nachgefragt: Daniela Danz, Leiterin des Schillerhauses Rudolstadt

Was war Ihre erste/letzte Begegnung mit Hölderlin?
Ich hörte als 16-Jährige unvermittelt des Nachts im Radio Ausschnitte aus dem Hyperion und war von dieser Sprache in Bann geschlagen.

Haben Sie ein Lieblingsgedicht/Lieblingszitat von Hölderlin?
›Patmos‹

Was viele Leute nicht über Hölderlin wissen...
...ist, wie naturwissenschaftlich interessiert er war.

Was haben Sie von Hölderlin gelernt?
Große syntaktische Bögen bis zum Zerbrechen zu spannen, ist eine seiner Stärken und es bekämpft die Tendenz zur Reduzierung, die mich bisweilen befällt.

Welche Frage würden Sie Hölderlin stellen, wenn Sie ihm begegnen würden?
Ich würde mich erst mal sehr freuen, dass er sehen kann, wie wichtig sein Werk noch immer ist. Ansonsten würde ihn aber lieber in Ruhe lassen, damit er schreiben kann, denn mich interessieren vor allem seine Texte.

Darum sollte man auch 2020 noch über Hölderlin schreiben/lesen/forschen etc.:
Sein Werk ermöglicht uns einen Blick auf die Stromschnellen und Klippen der Jahrhundertwende um 1800 und einen Weg des sprachlichen Umgangs damit. Wenn man etwas von unserer Gegenwart verstehen will oder nach einer adäquaten Sprachform sucht, dann ist das außerordentlich erhellend.


Daniela Danz´ Vortrag »Das philosophische Licht um mein Fenster« musste wegen der Corona-Pandemie auf nächstes Jahr verschoben werden. Im Dezember wird sie bei einer Veranstaltung am Institut Pierre Werner in Luxembourg auftreten. 

Zu den Veranstaltungen im Schillerhaus Rudolstadt

Foto: Nils-Christian Engel

Foto: Nils-Christian Engel