Hölderlin-Orte

Tübingen


Hölderlin-Bezug

Studium, Turmzeit, Tod


© Barbara Klemm

© Barbara Klemm

Tübingen

Wenn eine Stadt mit Hölderlin in Verbindung gebracht wird, so ist es Tübingen, wo er mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte; dabei ist der Teil seines Werks, der seinen Ruhm als Dichter begründete, gar nicht dort entstanden. Tübingen aber ist Hölderlins Schicksalsort. Hier verdichten sich auf engstem Raum Wegmarken seiner Biografie: das Stift, die Klinik, der Turm, das Grab. 1788 zog Hölderlin gemeinsam mit Hegel zum Theologiestudium ins Evangelische Stift ein, zwei Jahre später folgte Schelling. In einer Zeit großer politischer Umbrüche kamen drei Geister zusammen, die vom Stift auszogen, um Sprache und Philosophie zu revolutionieren. 13 Jahre später kehrte Hölderlin unfreiwillig nach Tübingen zurück, eingewiesen in das Universitätsklinikum, nur wenige Schritte vom Stift entfernt, dem Ort seiner jugendlichen Hoffnungen. Nach dem Misserfolg der psychiatrischen Behandlung fand er nahe dem Klinikum Aufnahme in einem ehemaligen Färberhaus, das sich an die Fundamente eines alten Wehrturms anlehnt. Im Turm lebte er die folgenden 36 Jahre, bis zu seinem Tod am 7. Juni 1843. Auf dem Tübinger Friedhof findet man sein Grab.

Hölderlins Aufnahme in den Turm war ein Akt der Inklusion. Trotz diagnostizierter Geisteskrankheit lebte er nicht isoliert, sondern wurde in den Alltag seiner Kostgeber, der Familie Zimmer, integriert. Für folgende Generationen im Stift wurde er zur Attraktion. Auf sie übte er, der das Leben in der Dichtkunst nach ihrer Auffassung so weit getrieben hatte, dass sein Verstand daran zugrunde ging, eine große Anziehung aus. So steht Tübingen auch am Beginn der Hölderlinrezeption: mit den schwäbischen Romantikern, die ihn in ihrer Tübinger Studentenzeit besucht hatten und sich später seines Werks annahmen. Die Identität der Stadt ist bis heute untrennbar mit diesem literarischen Erbe verbunden. Unter anderem ein jährlich ausgeschriebenes Stadtschreiberstipendium für Lyrik und das Bekenntnis zur Literatur als Schwerpunkt der Kulturkonzeption sind ein Ausdruck dessen.

Weitere Informationen zu Hölderlin2020 finden Sie auf der Webseite der Stadt Tübingen.

 

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Hölderlinturm mit dem ehemaligen Universitätsklinikum im Hintergrund. © Gudrun de Maddalena

Hölderlinturm mit dem ehemaligen Universitätsklinikum im Hintergrund. © Gudrun de Maddalena

Evangelisches Stift. © Gudrun de Maddalena

Evangelisches Stift. © Gudrun de Maddalena

Hölderlins Grab auf dem Tübinger Stadtfriedhof. © Gudrun de Maddalena

Hölderlins Grab auf dem Tübinger Stadtfriedhof. © Gudrun de Maddalena