Hölderlin-Orte

Frankfurt am Main


Hölderlin-Bezug

Beziehung zu Susette Gontard; Arbeit am ›Hyperion‹ und ›Der Tod des Empedokles‹


Susette Gontard an Hölderlin am 14. März 1799: »... vor der Tühre, begegente mir Henry, ersagte wehmüthig ›aus diesem Zimmer hast Du schon viel verlohren! erst Deine Mutter, und dann auch Deinen Hölder! Du magst es gewiß nicht mehr leiden!‹« (WLB Stuttgar

Susette Gontard an Hölderlin am 14. März 1799: »... vor der Tühre, begegente mir Henry, ersagte wehmüthig ›aus diesem Zimmer hast Du schon viel verlohren! erst Deine Mutter, und dann auch Deinen Hölder! Du magst es gewiß nicht mehr leiden!‹« (WLB Stuttgar

Frankfurt am Main

Ab Januar 1796 lebte Hölderlin am Großen Hirschgraben 3 in Frankfurt am Main als Hauslehrer in Diensten des Bankiers Gontard. Die Mutter seines achtjährigen Schülers Henry, Susette Gontard, wurde seine große Liebe. Sie verschmolz mit der Gestalt der Diotima, der Geliebten Hyperions aus Hölderlins gleichnamigem Roman, dessen erster Teil in Frankfurt entstand. »Wem sonst als Dir«, schrieb der Dichter in jenes Exemplar, das er der Seelenverwandten schenkte. Im Hause Gontard machte er auch einen »ganz detaillirten Plan zu einem Trauerspiele«, den er ins Geometrieheft seines Schülers eintrug und das den Philosophen der vier Elemente, Empedokles, zum Helden haben sollte.

Als der Bankier Gontard die Beziehung zwischen dem Hauslehrer und seiner Frau entdeckte, kam es zum Zerwürfnis. Im September 1798 kam Hölderlin bei seinem Freund Sinclair in Homburg unter, wo er bis 1800 blieb. Von dort aus lief der rüstige Wanderer regelmäßig in einem dreistündigen Fußmarsch nach Frankfurt zum Sommerhaus der Gontards, dem Adlerflychthof, um der Geliebten Briefe zu bringen. Am 22. Juni 1802 starb Susette Gontard an Röteln; ihr Tod warf Hölderlin aus der Bahn. Zur Erinnerung an Hölderlins Frankfurter Zeit wurde 1957 an der Bockenheimer Landstraße ein Bronzedenkmal von Hans Mettel eingeweiht: Neben einer Jünglingsfigur ist ›Hyperions Schicksalslied‹ zu lesen. Im 1970 gegründeten Verlag Roter Stern (heute Stroemfeld Verlag) erschien ab 1975 die epochemachende, aber nicht unumstrittene ›Frankfurter Hölderlin-Ausgabe‹, die mit der konsequenten Verwendung der Handschriften eine Neubewertung von Hölderlins Werk ermöglichte. Seit Juni 2008 verbindet ein ›Hölderlinpfad‹ Frankfurt am Main und Bad Homburg miteinander. Das Gontard’sche Haus ›Zum Weißen Hirsch‹ indes wurde schon 1872 abgerissen. Der Große Hirschgraben ist heute Sitz des Goethe-Museums, des Goethehauses und – ab 2020 – des Deutschen Romantik-Museums.

 

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Büste der Diotima, Landolin Ohnmacht, 1793 (© DLA Marbach)

Büste der Diotima, Landolin Ohnmacht, 1793 (© DLA Marbach)

Hölderlin-Denkmal. © Alexander Paul Englert

Hölderlin-Denkmal. © Alexander Paul Englert