Hölderlin-Orte

Bad Homburg


Hölderlin-Bezug

Verwicklungen in Hochverratsprozess, Arbeit als Hofbibliothekar, Arbeit am ›Tod des Empedokles‹, Zuspitzung der seelischen Krise


© Barbara Klemm

© Barbara Klemm

Bad Homburg

Im Jahr 1798 musste Hölderlin das Haus der Familie Gontard in Frankfurt am Main verlassen. Sein Freund Isaac von Sinclair, mittlerweile Regierungsrat in der Landgrafschaft Hessen-Homburg, verschaffte ihm eine bescheidene Wohnung in der Residenzstadt Homburg, wo Hölderlin zurückgezogen lebte. Von hier aus reiste er 1799 mit Sinclair zum Rastatter Kongress, wo nach dem 1. Koalitionskrieg zwischen Frankreich und seinen europäischen Konkurrenten über territoriale Neuverteilungen verhandelt wurde. Nach Hauslehrerstellen in der Schweiz und in Bordeaux und nach dem Tod der geliebten Susette Gontard, der ihn erschütterte, lebte Hölderlin von 1804 bis 1806 wieder in Homburg. Sinclair hatte ihm eine Stelle als Hofbibliothekar vermittelt. Während dieser Zeit wurde Hessen-Homburg in das Großherzogtum Hessen eingegliedert, Sinclair verlor seine Stelle als Regierungsbeamter und wurde in einen Hochverratsprozess verwickelt. Auch Hölderlin war gefährdet. Sein Zustand hat sich in dieser Zeit massiv verschlechtert. Im September 1806 wurde er aus seiner Wohnung in der Haingasse 36 nach Tübingen ins neu eröffnete Klinikum der Universität gebracht.

Insgesamt dreieinhalb Jahre verbrachte Hölderlin in Homburg. Literarisch war es eine fruchtbare Zeit: Es entstanden der zweite Band des ›Hyperion‹, Dichtungen wie ›Der Gesang des Deutschen‹, ›Der Main‹, ›Der Wanderer‹ sowie theoretische Studien. Hölderlin widmet dem Landgrafen seine Hymne ›Patmos‹. Überdies arbeitete Hölderlin am ›Tod des Empedokles‹ und an den Sophokles-Übersetzungen. Die Häuser, in denen Hölderlin gewohnt hat, existieren nicht mehr; allerdings ist das in der Dorotheenstraße rekonstruiert worden. Im städtischen historischen Museum im Gotischen Haus wird nicht nur das einzige Porträt Isaac von Sinclairs, sondern auch eine Sammlung von Porträtmedaillen Hölderlins aufbewahrt. Die Stadt ist Eigentümerin des zweitgrößten Konvoluts an Hölderlin-Handschriften, darunter des ›Homburger Foliohefts‹. Alljährlich verleiht Bad Homburg den Friedrich-Hölderlin-Preis. Das Hölderlin-Denkmal im Kurpark, 1883 vom dortigen Geschichtsverein gestiftet, ist das dritte nach Lauffen a.N. (1873) und Tübingen (1881).

 

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Blick auf Bad Homburg. © Bad Homburg

Blick auf Bad Homburg. © Bad Homburg

Patmos. Eine Spur von Hölderlin. Gruftabdeckung von Horst Hoheisel (1989). © Gerd Kittel

Patmos. Eine Spur von Hölderlin. Gruftabdeckung von Horst Hoheisel (1989). © Gerd Kittel