Vortrag & Tagung

Verleihung des Hölderlinpreises der Stadt Bad Homburg

– Findet statt; Nachholtermin vom 07.06. –

01.11.2020, 11:00 Uhr
Bad Homburg
Schlosskirche

© Bogenberger Autorenfotos

© Bogenberger Autorenfotos

Der mit 20.000 Euro dotierte Hölderlin-Literaturpreis der Stadt Bad Homburg (Stiftung Cläre Janssen) erhält dieses Jahr der Schriftsteller Navid Kermani für sein Gesamtwerk. Den Förderpreis, dotiert mit 7.500 Euro, geht an die Autorin Dana von Suffrin.

»Wir sind sehr glücklich über diese Wahl, haben wir damit doch einen Mann und eine Frau, einen Orientalisten und eine Schriftstellerin mit jüdischen Wurzeln ausgezeichnet, besser geht´s nicht«, freut sich Oberbürgermeister Alexander Hetjes, der die Preise überreichen wird. Die Auswahl der Preisträger stehe sinnbildlich für die Weltoffenheit der Stadt Bad Homburg. Erstmals im diesjährigen Hölderlin-Jubiläumsjahr erhalten sowohl der Hölderlin-Preisträger als auch die Förderpreisträgerin zusätzlich zum Preisgeld die Möglichkeit, die Hölderlin-Wohnung in der Villa Wertheimber kostenfrei zu nutzen. Die Stadt verbindet damit die Hoffnung, die jeweiligen Preisträger den Bad Homburger Bürgerinnen und Bürgern näher zu bringen.

Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen als Kind iranischer Eltern, die 1959 nach Deutschland gekommen waren. Er studierte Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaften und promovierte und habilitierte sich in Bonn. Gastdozenturen und Gastprofessuren für Poetik und deutsche Literatur in Frankfurt, Göttingen, Mainz und Köln folgten, dazu ein einjähriges Stipendiat der berühmten Villa Massimo in Rom. Ebenso zahlreich wie seine Schriften sind die Auszeichnungen, mit denen der in Köln lebende Autor bedacht wurde, unter anderem mit dem Kleist-Preis, Hannah-Arendt-Preis, der Buber-Rosenzweig-Medaille, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Marion-Dönhoff-Preis für internationale Verständigung und Versöhnung und dem Hessischen Kulturpreis.
Aus der Begründung der Jury: »[...] Einen Kronzeugen für seine literarische Poetik, die nicht zuletzt in seinem autofiktionalen Roman ›Dein Name‹ (2011) im Kleinsten stets ein Abbild des Ganzen sucht, findet er in Friedrich Hölderlin. In seiner zeitgleich verfassten Frankfurter Poetikvorlesung ›Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe‹ feiert Kermani selbstreflexiv, aber auch selbstironisch seine Liebe zum Dichter. Dabei lässt er erkennen, warum es gerade kein Zufall ist, dass dieser ihn zu einer alles als gleichwertig betrachtenden Literatur inspiriert hat. [...]«

Dana von Suffrin, 1985 in München, Studium in München, Neapel und Jerusalem. 2017 Promotion zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus, Postdoc an der Ludwig-Maximilans-Universität in München, Debütroman ›Otto‹: Debütpreis des Buddenbrookhauses, Ernst-Hoferichter-Preis und Klaus-Michael-Kühne-Preis.
Aus der Begründung der Jury: »Dana von Suffrins literarischem Debüt ›Otto‹ gelingt ein Erzählkunststück. Wie ist es, fragt der Roman anhand seiner Titelfigur, des Siebenbürger Juden Otto, wenn in einer Person zwei eigentlich unvereinbare Positionen zusammenkommen: die eines jener letzten Zeitzeugen der Shoah, deren Erinnerung so unverzichtbar ist für das Gedächtnis unseres Gemeinwesens; und die eines Tyrannen und Familienpatriarchen, den die beiden Töchter lieber heute als morgen loswerden möchten – und der dann doch auch wieder liebenswert ist. Mit dieser Konstruktion gelingt es Dana von Suffrin, die Schreckensgeschichte des 20. Jahrhunderts in einem Ton zu erzählen, der groteske, schwarzhumorige Komik mit existentiellem Ernst und Trauer verbindet. [...]«

Die Veranstaltung wird im Livestream übertragen.
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